damnum absque injuria

September 5, 2004

Ach so, diese linken Medien

Filed under:   by Xrlq @ 12:14 am

[English version]

Vorgestern hat die Wiener Kurier-Zeitung berichtet, der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger habe in seiner Ansprache am vergangenen Dienstag behauptet, Österreich sei ein “sozialistisches Land” und er habe als Kind sowjetische Panzer in der Steiermark gesehen. Beide Berichte sind falsch. Der erstere stamm aus einem verständlichen Übersetzungsfehler, der letztere war aber vollkommen erlogen.

Selbstverständlich kann man Österreich nicht ernsthaft als ein “sozialistisches” Land auf deutsch beschreiben, es war keines in dem Sinne von Ungarn, der Tschechei oder der ehemaligen DDR. Im Englischen aber geht es doch. Bei uns sagt man oft “socialist,” meint aber “sozialdemokratisch,” was aus amerikanischer Ansicht ganz Europa einschließt. Wenn von einem richtigen sozialistischen Staat die Rede ist, sagt man eher “communist” als “socialist.” Wegen Arnolds Vorstellung ist kein Ami auf die Idee gekommen, Österreich liege jenseits des Eisernen Vorhangs. Nur der österreichischer Innenminister, Ernst Strasser, hat den amerikanischen Begriff “Sozialismus” mit dem österreichischen verwechselt, was Herr Strasser als ein verständlichen Fehler von Herrn Schwarzenegger beschrieben hat. Es war ja ein verständlicher Fehler, aber von ihm selbst, nicht von Herrn Schwarzenegger.

Reden wir nun von Arnolds zweiten “Fehler,” er habe russische Panzer angeblich in der Steiermark gesehen. Dazu sagt der Grazer Zeithistoriker Stefan Karner folgendes:

“Faktum ist, er kann als Kind in der Steiermark keinen sowjetischen Panzer gesehen haben.

Na gut. Faktum ist, er hat niemals behauptet, als Kind in der Steiermark jemals einen sowjetischen Panzer gesehen zu haben. Ganz im Gegenteil sagte er am Dienstag:

Als ich ein Bube war, besetzen die Sowjeten einen Teil von Österreich. Ich sah ihre Panzer auf den Straßen. Ich sah den Kommunismus mit meinen eigenen Augen. Ich erinnere mich an die Angst, die wir hatten, wenn wir in die sowjetische Besatzungszone einreisen mußten.

Im Prinzip müßte es sich von selbst verstehen, daß man von der Steiermark aus nicht “in die sowjetische Besatzungszone” einreisen kann, ohne daß die Steiermark selbst außerhalb derselben Zone liegt. Trotzdem (oder sogar darum?) hat die Kurier-Zeitung diesen Zitat weggelassen.

Später im Interview hat Herr Karner zugegeben, daß es doch möglich sei, Herr Schwarzenegger habe eventuell als Kind die Besatzungszonen gewechselt habe:

An den Checkpoints mußte sich jeder ausweisen. Das war eine bedrohliche Situation.

Genau wie Arnold seine Erfahrungungen beschrieben hat. Am liebsten hätte die Kurier-Zeitung den Artikel hier beendet. Statt dessen hat sie wieder Mist gebaut:

Aber wahrscheinlich habe Schwarzenegger die “kollektive Erinnerung” übernommen: “Die Leute haben nie einen Russen gesehen und haben trotzdem panische Angst gehabt.” Schließlich seien in der sowjetischen Besatzungszone Hunderte Menschen verschleppt worden. “Wovor sich er gefürchtet hat, war die tradierte Meinung über die Sowjets.”

Auch das entspricht Schwarzeneggers Anrede. Zu diesem Thema sagte Herr Schwarzenegger:

Viele Leute dachten damals, die sowjetischen Soldaten wären berechtigt, jeden Autofahrer summarisch festzunehmen und in die UdSSR zu schicken, wo er danach as Sklave arbeiten mußte.

Kurz gesagt hat ein Artikel aus der Kurier-Zeitung, der Schwarzeneggers Anmerkungen zu Österreich angeblich widerlegen sollte, eigentlich nur einem Scheingegner widersprochen. Den wahren Behauptungen des Schwarzenegger hat der Artikel nicht widersprochen, und einige hat er sogar bestätigt.

Nun berichtet dieselbe Zeitung, daß Herr Schwarzenegger seine Kritike zurückgewiesen hat. Zu den Behauptungen der österreichischen Presse sagte er:

Das ist absoluter Blödsinn. Ich habe nie gesagt, daß ich russischen Besatzern in der Steiermark begegnet bin. Ich kann mich noch genau daran erinnern: Wir sind im VW-Käfer meines Onkels über den Semmering in die russische Besatzungszone gefahren. Da habe ich als kleiner Bub die sowjetischen Panzer gesehen.

Leider hat er nicht weiter erklärt, daß er auch in der Ansprache von Dienstag klar und deutlich gesagt hat (obgleich er ganz ehrlich gesagt weder die Steiermark noch den Semmering noch jegliche andere spezifische Gegend Österreichs bennant hat) . Oder vielleicht doch, es wird hier alles verkürzt, gell? Bestimmt hat keiner die Absicht, den Leser zu täuschen! Es geht alles nur darum, daß es in der Zeitung zuwenig Platz in der Zeitung, den ganzen Interview zu drucken. Oder?

ERNEUT: Die Zeit macht denselben Fehler a propos Sozialismus/Kommunismus, deutet aber nicht an, Arnold habe behauptet, sowjetische Panzer in der Steiermark als Kind gesehen zu haben.

9 Responses to “Ach so, diese linken Medien”

  1. Laura Says:

    Dude, your German kicks *ass*. :)

    Great article, and thanks also for the language practice! Ich sollte öfter Deutsch üben.

  2. Chris in SF Says:

    “Kicks” – doch nicht ganz.
    “Bei uns sagt man oft “socialist,” währen man”…Du meinst wohl “waehrend”. Anderswo ist “Besatzzone” zu lesen. Und “verkuertz” ist wohl “verkuerzt”. Toller Versuch, aber.

    I’m not convinced of your view that most Americans see “socialism” in such a one dimensional light, though probably many right-wing Americans do.

  3. Xrlq Says:

    Typos and brainos duly noted, and corrected. I’m not sure what you mean by Americans seeing socialism in a one-dimensional light. Care to elaborate on that? As I see it, it’s the German word that’s one-dimensional, as “Sozialismus” alone connotes a Marxian dictatorship of the proletariat, unless it is specifically qualified by “Demokrat,” “-demokratisch,” or the like. By contrast, the word “socialism” in ‘Mercun implies nothing about democracy vs. oligarchy, one way or the other. So while everyone across the pond can all agree that the former GDR was a “socialist” country, we will disagree over whether or not the same word should be used to describe reunified, SPD-ruled Germany today.

    Xrlq’s Paradox: a bilingual social democrat can say “I am a socialist” in English, then turn around and say “ich bin kein Sozialist” in German, and be telling the truth both times.

  4. raj Says:

    Just came here from boi from troi. Just wondering, what translator did you use to get this German translation? It isn’t a bad translation, but it isn’t a particularly good one either.

  5. Xrlq Says:

    What’s wrong with it?

  6. raj Says:

    There are too many errors to mention them all. Just to mention a few:

    “der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger” would probably be better translated as “Der Kaliforniener Governor…” (“Kalifornien” is the German word for California) This is similar to the way the Berlin mayor is referred to: Der Berliner Burgermeister, the way that the Munich mayor is refered to: Der Muenchner Burgermeister, usw. BTW, the various German Laender do not have “governors,” they have “Minister-praesidenten,” so the use of “Governor” or “Gouverneur” would be an adoption of the English or the French.

    While “Ansprache” does translate to “speech,” Germans would likely use “Rede” or “Anrede” instead.

    “Der erstere stamm aus einem verständlichen Übersetzungsfehler, der letztere war aber vollkommen erlogen” is completely wrong. Actually, the use of “Berichte” in the previous sentence was wrong, too. “Berichte” (singular, “Bericht”) refers to “reports,” as in, for example, “newspaper articles.” Here, one would use “Behauptungen” (pl, singular “Behauptung”) to refer to Schwarzenegger’s contentions or allegations that he made in his speech (his Anrede). In that case, the sentence should read “Die erste (Behauptung) stamm aus…, die zweite (Behauptung) war aber ganz Luege” (“ue”=u mit Umlaut). (BTW, what is this silliness with “vollkommen erlogen”? Germans would say “ganz Luege”–a complete lie.) Even assuming that the use of “Bericht” might be proper here, the sentence should read something like “Der erste (not “der erstere)…der zweite (not “der leztere”)….”

    So that’s the first paragraph.

    The second paragraph is a complete mess. It is impossible to determine what you are trying to say there, and it isn’t worth a lot of time to dwell on. Just referencing the first clause “Selbstverständlich kann man Österreich nicht ernsthaft als ein “sozialistisches” Land auf deutsch beschreiben…” “Auf deutsch”? What does that mean? “Auf Deutsch” would mean something like “in the German language.” That makes no sense considering the rest of the sentence. A translation of the sentence might be “of course one cannot earnestly describe Austria as being a socialist country in the German language, in the sense of Hungary,…” but that makes no sense at all.

    And the sentence “Wegen Arnolds Vorstellung ist kein Ami auf die Idee gekommen, Österreich liege jenseits des Eisernen Vorhangs” makes no sense whatsoever. “Vorstellung”? Arnie didn’t make a “Vorstellung” (a presentation). He made a speech (a Rede or Anrede). “Jenseits” is completely inappropriate here. “Ausserhalb” (“outside of”) is the correct word.

    Give me a break. This is an idiotic translation, and it isn’t worth spending a lot of time correcting you.

  7. Xrlq Says:

    Raj, you’re full of crap. For starters, “kalifornisch” is the correct word for Californian, and “Gouverneur” is the proper term for a governor. It makes no more sense to call him a “Minister-Praesident” (German equiv.) or “Landesobmann” (Austrian) in German than it would for Americans to call Gerhard Schrder or Tony Blair the “Presidents” of their respective countries. If you hadn’t been too lazy or too stupid to read the Kurier articles I linked to before spouting off, you might have noticed that one of them refers to him repeatedly as “der kalifornische Gouverneur,” while the other does not mention his position at all. Your made-up word “Kaliforniener,” offered as purported “correction,” is especially rich.

    For the benefit of any non-German speakers who may be scratching their heads while reading this exchange, here’s an English equivalent. Picture two Germans who both speak English reasonably well. Hans, a blogger, majored in English in college, spent a year in England and another in the U.S., attained near-native fluency at the time, and then went on to teach English for a couple of years at a Gymnasium before moving on and doing something else. Since then, his English is a bit rustier, but still pretty strong. He writes an entry like this in his English-language blog:

    Swedish Prime Minister Goran Persson Monday welcomed U.N. Secretary-General Kofi Annan’s recent appointment of a special adviser on the prevention of genocide and urged U.N. action on Sudan.

    Along comes Franz, a troll who doesn’t know Hans from Adam. Franz speaks some English, too, but not nearly as much as he thinks he does. Franz jumps in with:

    No, you idiot! Dem ‘Mercuns don’t call their top officials Prime Ministers, they call ‘em Prezidents! And didn’t you know that the English name for Schweden is “Sweden?” So people who come from there can’t be called “Swedish,” silly, the right word is “Swedenians,” just like people from Jordan are called Jordanians. God, your translation sucks.

  8. raj Says:

    >>Raj, you’re full of crap. For starters, “kalifornisch” is the correct word for Californian, and “Gouverneur” is the proper term for a governor.

    This is about as dumb as suggesting that “deutschisch” is the correct word for German, “berlinisch” is the correct word for Berliner, muenchenisch” is the correct word for Muenchner (person from Munich), “wienisch” is the correct word for Wiener (Vienner), or “amerikanisch” is the correct word for American (as opposed to “Amerikaner”). And, by the way, one of the articles you linked to even used “Governor”. The fact is that there is no specific word for “Governor” in German, since the term is not used, at least in Germany. So they use–interchangeably–both the French Gouverneur and the English or American Governor. Not that they necessarily pronounce it the same way as the French or the Americans might. You should hear the way my mother in law–sie stammt aus Bayern–pronounces Jallousie. The word is unrecognizeable.

  9. Xrlq Says:

    Raj: if there were anything wrong with my reference to “der kalifornische Gouverneur,” don’t you think the Kurier might have called him something else?

    And since you persist in your foolish assumption that all people from every single city, state and country in the world are always called wherever-they-came-from-plus-er, with no exceptions, what hell do you call your mother in law? A Bayerner(in)?!

    Dude, you are in so far over your head, that it’s not even funny. Seriously, it’s actually sad that someone who knows as little as you do can think he knows so much. On BFT’s site you weren’t even able to insult me without butchering basic German grammar.

 

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