damnum absque injuria

April 7, 2009

Wobei ich kurz meinen Präsidenten verteidigt habe

Filed under:   by Xrlq @ 11:05 pm

Na, wirklich. Eigentlich zweimal. Während andere Blogger von rechts meinen Präsidenten dafür verarscht haben, er glaube, daß die Österreicher “österreichisch” statt deutsch reden, habe ich am Anfang angenommen, da war bestimmt etwas bei der Übersetzung verlorengegangen. Obgleich man Obama so zitiert hat:

There’s a lot of — I don’t know what the term is in Austrian — wheeling and dealing, and people are pursuing their interests, and everybody has their own particular issues and their own particular politics.

hat er bestimmt dies tatsächlich gesagt:

There’s a lot of — I don’t know what the term is in Austria — wheeling and dealing, and people are pursuing their interests, and everybody has their own particular issues and their own particular politics.

Während der österreichische Journalist, dem er gerade beantwortet hatte, einen zufälligen Schlußkonsonant angehört hat, der einfach nicht da war. Dieses Mißverständnis habe Sinn, dachte ich, da es im deutschen üblich ist, die Namen von Dialekten statt Sprachen zu nennen. Während der zwei Jahren, die ich im deutschsprachigen Raum verbracht habe, wurde ich öfters gefragt, wie man X auf “amerikanisch” sage. Nicht von Klugscheißern, die mich als Amerikaner wegen der Unterschieden zwischen dem amerikanischen und dem britischen Dialekt verarschen wollten, von Idioten ganz zu schweigen, die nicht einmal wissen, daß man in Amerika Englisch spricht. Statt dessen kamen die Fragen von nachdenklichen, gut ausgebildeten Deutschen und Österreichern, denen es wohl bekannt ist, was wir hier in Amerika für Englisch sprechen, die allerdings gerne wissen möchten, wie man X in unserem Dialekt ausdrückt, auch wenn es die Königin von England es etwas anders ausdrücken würde.

In diesem Zusammenhang hätte es eigentlich Sinn, daß ein österreichischer Journalist eventuell einen Schlußkonsonant “n” mithören würde, und den Satz so verstehen, als ob Mr. Obama gesagt hätte, “Selbstverständich weiß ich, was das auf Hochdeutsch heißt, ich weiß aber auch, daß Sie nicht gerade aus Niedersachsen kommen, sondern aus Österreich, und tja, leider reicht mein Österreichisch nicht aus, um das richtig auszudrücken. Aber was über alles geht, Sie müssen wissen, daß ich im Gegensatz zu 99 Prozent meiner Landsleute nicht blöd genug bin, Österreich mit Deutschland (von Australien ganz zu schweigen) zu verwechseln.

Leider hat das Audio bewiesen, daß ich die Sache viel zu milde betrachtet hatte. Davon hört man “Austrian” klar und deutlich. Nicht “Austria,” und nicht einmal “in Austrian dialect” oder “in Austrian German,” wie man es normalerweise auf Englisch ausdrücken würde. Nein, er hat gerade das gesagt, was seine Gegner meinten. Wenn ich zum Nächstenmal Lust habe zu Denken, unserer Präsident habe etwas extrem doof gesagt, dann verspreche ich Euch, ihm nichts wieder zu seinen Gunsten auszulegen. Statt dessen werde ich annehmen, er habe doch etwas Idiotisches gesagt. Anders darf ich nicht wetten.

17 Responses to “Wobei ich kurz meinen Präsidenten verteidigt habe”

  1. tgirsch Says:

    See, even YOUR html tags don’t get interpreted. :) (Of course, using the opening < would help.)

    tgirsch´s last blog post..Bringing Up Barbie*

  2. Anwyn Says:

    Showoff.

    Anwyn´s last blog post..Okay, the Dude Really Likes Politics

  3. Pigilito Says:

    Did you major in Austrian?

  4. Xrlq Says:

    No, just German. I did pick up a little Austrian by osmosis, though.

  5. Mark L Says:

    Yes, but can you speak Belgian? Or Andorran?

  6. Kristopher Says:

    Or even Swiss?

  7. Xrlq Says:

    Nah, after mastering Liechtenstinian I figured I’m done.

  8. Pigilito Says:

    If you can learn Liechtenstinan, you’re ever so close to nailing Swiss, especially with your knowledge of Austrian. There is even a famous book translated into the language: Der Chly Prinz.

  9. nk Says:

    With a population of more than one Brazilian, South America is going to be the next significant player in the world. Should I study Chilean, Argentinian or Peruvian?

    nk´s last blog post..

  10. Pigilito Says:

    You might want to try Columbian, I’m told it’s easier to pick up than the others.

    Pigilito´s last blog post..We really do elect cultural idiots in this country

  11. Michael Says:

    Sind Sie überrascht? Er ist angeblich Amerikaner und hatte gar nicht gewusst, dass es 50 Staaten in den USA gibt, was ich schon beim Alter 6 gewusst habe (und ich könnte alle nennen). Er ist berühmt für seine Aussage, dass er 57 Staaten besucht hat und hatte wohl einige mehr zu besuchen. Er ist genau so dumm und schlecht informiert als sein Vorgänger. Dazu wissen wenige Amerikaner dass Österreich deutsch spricht, obwohl fast alle wissen, dass wir 50 Staaten haben.

  12. Xrlq Says:

    Im Prinzip gebe ich Dir recht, Obama ist wesentlich uninformierter als sein Vorgänger, der Vorgänger von ihm, usw. Ich kann mir aber kaum vorstellen, daß es viele “normale” Amis gibt (vom Präsidenten ganz zu schweigen), die einerseits nicht wissen, was man für eine Sprache in Österreich spricht, die andererseits doch wissen, daß “Austria” kein Spitzname für Australien ist. Wer zwischen Österreich und Australien nicht unterscheiden kann, müßte im Prinzip annehmen, daß man drüben Englisch spricht, nicht “österreichisch.” Oder?

  13. slit Says:

    Ich gebe Euch auch Recht. Aber ich denke das liegt auch am allgemeinen Desinteresse an Europa. Das sieht man schon daran das in egal welchem Film die deutschen immer entweder Lederhosen anhaben oder Nazis sind.
    Zudem kommt natürlich noch die extrem schlechte Allgemeinbildung der Amerikaner (was Studien beweisen).
    Ich bin mir sicher das der Durchschnittsamerikaner Österreich nicht mal auf der Landkarte finden würde. Ein Teil davon warscheinlich nicht einmal Europa.
    Aber ich denke trotzdem das Obama seine Sache gut machen wird.
    Was haltet Ihr von Obamas Verleihund des Friedensnobellpreises?
    Gruß Slit

  14. Xrlq Says:

    Ich finde die ganze Sache politisch. Obama hat gar nichts geschafft, was dem Frieden angeblich dienen soll. Ebenso wenig für den Weltfrieden haben Jimmy Carter und Al Gore geschafft, der erste war der schlechteste Präsident des letzten Jahrhunderts, der letztere ist nicht einmal gewählt worden. Andererseits ist der Nullbeitrag zum Weltfrieden von diesen drei wesentlich größer als der von Yassir Arafat, der auch einmal den blöden Preis bekommen hat. Bei mir hat dieser stupide Preis überhaupt keine Glabwürdigkeit mehr.

  15. erzone Says:

    Man muss immer davon ausgehen, das der Präsident etwas Idiotisches sagt. Sonst wäre es ja kein Präsident!

  16. Tiana Frings Says:

    Ich habe lange Zeit in Yankee-Land gelebt und mich oft gefragt, ob wir Kontinentaleuropäer elende Klugscheißer oder die Amis einfach nur mega doof sind. Bis heute habe ich keine Antwort gefunden. Die Tage durfte ich wieder rätseln. Ich war wieder im Vergnügungspark Eifelpark. Der liegt in der Nähe eines US-Stützpunktes in der Eifel. Besucher sind Deutsche, Holländer und Belgier. Ich stand am Eifel Coaster in der Schlange und hörte Amerikaner rätseln, wie unterschiedlich die Deutschen doch sprechen und ob wohl jede Stadt so sehr unterschiedliche Dialekte hätte.

    Ich rätsele weiter …

  17. Lukas Says:

    Schon krass, dass ein solcher Mensch, welcher eigentlich sehr gebildet sein sollte, so etwas verwechselt.

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